Angst vor der Angst

oder

die Hühnerstory ist noch nicht zu Ende…

Wenn ich ehrlich bin, wusste ich, dass das Abgeben des Aggro-Hahnes nicht die Lösung war.

Mit der Zeit übernahm der sonst so sanfte Giovanni seine Rolle.

Mit der Zeit hatte ich wieder Angst, das Gehege zu betreten.

Mit der Zeit wiederholten sich Situationen, in denen ich „außer mir“ war.

Als der Riesenhahn begann, mich anzugreifen, versuchte ich ihm mit Dominanz entgegen zu wirken. Ich machte mich auch groß und ließ ihn vor mir zurückweichen. Er griff immer wieder an.

Er spürte natürlich, dass meine Dominanz gespielt war und dahinter Angst sitzt.

Dann versuchte ich mich zu wehren. Ihn mit einem Besen wegzufegen;-)

Der Höhepunkt war der Tag, an dem ich ihn mit „du Arschloch“ anbrüllte wie eine Wahnsinnige. Ich rannte um mein Leben um in letzter Sekunde die Tür vor ihm zuschmeißen zu können.

Meine Beine zitterten wie Wackelpudding und mein Herz schlug wie verrückt.

Diesen Zustand konnte ich dann, wieder zurück „in mir“, fühlen und annehmen. Nach ein paar Minuten erholte sich mein Körper.

Die Lösung wurde mir etwas später klar.

Sie heißt nicht Druck, sie heißt nicht Kampf, nicht Flucht und nicht Schauspiel.

Nein, die Lösung für mich ist absolute Annahme. Hingabe.

Und dafür über meinen Schatten der Angst zu springen.

Kurz vor der Umsetzung hätte ich am liebsten einen Rückzieher gemacht. Es hat mich eine riesige Überwindung gekostet, über diesen Schatten springen.

Ich habe mich in schützender Kleidung (leider hatten wir keine Ritterrüstung) in Giovannis Nähe gewagt.

Zuerst hat er mit seinem Mammutschnabel in meine Schuhe gehackt. Ich bin stehengeblieben. Ich habe weiter geatmet statt vor Angst die Luft anzuhalten. Ich habe der Angst erlaubt, da zu sein. Und sie kam so gewaltig, wie ich sie noch nie zuvor gespürt habe. Mein Herz schlug so heftig, dass es sich so anfühlte, als zerplatze mein Kopf.

Das dauerte ein paar Minuten. Dann habe ich mir vorgestellt, dass ich der Angst mit meinem bewussten Atmen im Körper und über seine Grenze hinaus Raum gebe. Erst dann konnte ich spüren, wie sie sich mit jedem Atemzug weiter auflöste. Bis es ganz ruhig in mir wurde. Ich spürte plötzlich eine ruhige Stärke. Ein Gefühl von „Angekommen Sein“.

Der Hahn griff mich nicht an.

Es schien, als beobachte er genau, was in mir abging.

Ich bin gespannt wie es weitergeht. Welche Veränderungen sich im Außen zeigen.

Fakt ist, der Hahn hat einen guten Job gemacht.

Er hat mich an meine zu heilenden Anteile der Angst und auch der Aggressivität gebracht.

So schenkt das Leben uns einfach die passenden Auslöser.

Denn das Leben meint es gut mit uns.

💛💚💙

Please follow and like us: