Verbotene Hundeliebe

Ich spüre wie Tränen in mir aufsteigen. Ich stehe auf dem Parkplatz vorm Realmarkt. Mein Freund hat angerufen und gesagt, ich soll mich beeilen, wenn ich mich noch von dem ersten der 15 Welpen verabschieden möchte, der uns heute verlässt. Dessen neue Familie ist gerade gekommen um ihn abzuholen.


Als der Kleine dann wenig später mit seinen neuen Besitzern vom Hof tapst, muss ich dann weinen. Und es wird noch mehr, als ich an den kommenden Tag denke, an dem uns zwei weitere Schätzchen verlassen werden.


Doch dieses Mal verabschiede ich mich schon vorher von den beiden. Alleine und in Ruhe. Als die neuen Besitzer von Floh eintrudeln, gehe ich nicht mit raus. Ich nehme mir nun Zeit und Raum um den Tränen freien Lauf zu lassen. Ich fühle mich ein und es erscheinen Bilder aus meiner Kindheit.


Ich, die kleine Andrea, die als junges Mädchen drei Wochen lang einen Hund zur Pflege hatte und beim Abschied so sehr gelitten hat. Seit dem hatte ich den Wunsch nach einem Hund. Etwas später bekam die Hündin unsere Nachbarn Welpen.Ich wollte so gern einen davon haben, wusste aber, dass meine Eltern das nie erlauben würden.
So war mein Plan, dass sie vielleicht weich würden, wenn ich erst einmal mit dem Hundebaby vor der Tür stände. Ich log die Nachbarn an und sagte, meine Eltern wären einverstanden und brachte einen Welpen mit nachhause.


Meine Mutter ließ sich nicht erweichen. Herzzerreißendes Bitten und Betteln brachten nichts.Ich musste den Welpen zurückbringen und dort meine Lüge gestehen. Mein Herz verschloss sich ein weiteres Stück.

Ich stelle mir jetzt vor, wie ich die kleine Andrea in den Arm nehme und wie sich unser Herz wieder ein Stück öffnet. Es fühlt sich gut an, es fühlt sich frei an.


Und tatsächlich kann ich beim nächsten Abschied mit einem anderen Gefühl dabei sein, ganz ohne Tränen. Eine alte Traurigkeit hat sich gelöst.


Diese ca. 40 Jahre alte Hundegeschichte war bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr in meinem Bewusstsein. Ich hatte mich gewundert und mich selbst gefragt, warum mir bei den Abschieden so nach Heulen ist. Der Grund waren weder Sorge um die Hunde noch ging es um Verlust.


Es ging darum, den traurigen Schatten in mir zu belichten.


Danke Leben 💜

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