Alte Wunden

Meine Schulfreundin und ich waren wie Pech und Schwefel. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem meine Mutter ihre Briefe fand. Meine Freundin bekam häufig Stubenarrest von ihrem strengen Stiefvater. Dann schrieb sie mir Briefe, in denen stand wie wichtig ich und unsere Freundschaft ihr waren.

Meine Mutter muss der Inhalt geschockt haben. Er bedeutete für sie, dass ihre Tochter auf Frauen stand und somit nicht normal war, nicht mehr in ihr möglichst angepasstes Leben passte.

Zu der Zeit waren wir auf einer Klassenfahrt und ich wunderte mich, dass meine Mutter mir dort nicht zu meinem Geburtstag gratulierte und sehr kühl am Telefon reagierte, als ich sie dann anrief.

Wieder zuhause erlebte ich mein blaues Wunder. Sie schmiss mir zur Begrüßung die Briefe vor die Füße. Das mit den Worten, ich sei nicht mehr ihre Tochter. Ich heulte und beteuerte, dass ich nicht lesbisch sei. Für meine Mutter muss diese Vorstellung ein Drama gewesen sein, so dass sie mir den Kontakt zu meiner Freundin verbot und sogar in der Schule vorsprach, mich aus der der Klasse zu nehmen. Zum Glück ließen die Lehrer sich nicht darauf ein.

Trotzdem konnte ich den Kontakt zu meiner Freundin nicht so halten wie zuvor. Zu sehr stand ich unter dem Einfluss meiner Mutter, die, wenn sie enttäuscht von mir war, mich mit Ignoranz strafte. Manchmal sprach sie eine ganze Woche nicht mit mir. (Übrigens habe ich dieses Muster später selbst in meiner Ehe fortgeführt…)

Für meine Freundin muss es die Hölle gewesen sein. Ich erinnere mich, dass sie während dieser Zeit von zu hause ausgerissen ist und ich sie ein paar Tage auf unserem Dachboden versteckt habe. Mit Pipi machen ins Einmachglas und heimlich hochgeworfenen Äpfeln. Puhhh, was für eine Zeit!

Heute, 35 Jahre später haben wir wieder Kontakt. Wir haben über die alte Geschichte geredet und über ihre Verletzung. Ich habe damals nicht zu ihr gestanden. Ich habe in ihre Wunde gepiekst.

Ich glaube, diese Wunde ist mittlerweile verheilt.

Ihre Eltern stehen hinter ihr und sie selbst steht zu sich. Trotzdem war es erleichternd für sie, ihre Gefühle über ihre Verletzung von damals mir gegenüber heute noch einmal auszusprechen. Und ich konnte ihr sagen, dass mir mein damaliges Verhalten leid tut. Ich war damals nicht mutig genug, zu ihr zu und zu mir selbst zu stehen.

Unterschiedliche Geschichten, und doch auch ein gleiches Thema auf beiden Seiten.

Wir beide durften lernen, zu uns zu stehen.

Und dass sich so manche Baustellen erst durch ehrliches Aussprechen gänzlich auflösen.

 

Von Herz zu Herz

Deine Andrea

 

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Pickel

Soweit ich mich erinnern kann, hatte ich Pickel. Natürlich dort, wo sie für jedermann sichtbar waren. Im Gesicht. Als Teenager dachte ich noch, das gehöre halt zu dieser Zeit und irgendwann hört das auf. Falsch gedacht. 20 Jahre später fragte mein Ehemann mich, ob Akne in diesem Alter noch normal sei. Patsch, mitten in die Wunde. Der Moment blieb unvergessen.

So schleppte ich mein Pickelthema fast ein halbes Jahrhundert mit mir herum. Die Pickel immer so gut wie möglich versteckt hinter einer Make-up Schicht. Danke Make-up, ohne dich hätte ich so manches mal das Haus nicht verlassen.

Kurz vorm Burnout hatte auch meine Haut ihren Höhepunkt des Leidens erreicht. Zu den Pickeln quälten mich Rötungen und die Haut wollte sich anscheinend von mir lösen. Sie schuppte sich so stark,  dass das Abdecken nicht mehr gelang.

Ich sah meine Haut als Dauerproblem. So vieles hatte ich schon versucht um es loszuwerden. Vergebliche Müh.

„Wogegen du kämpfst das bleibt!“

Als ich begann, die Botschaften in Krankheiten zu erkennen, war ich meiner Haut endlich nicht mehr böse.

Die Haut ist ein Kontaktorgan und zeigte mir, dass der Kontakt zu mir und zu meiner Außenwelt gestört war. Ich ging nicht wirklich gut mit mir um. Eine Freundin machte mich darauf aufmerksam, wie lieblos ich mein Gesicht beim Abschminken schruppte, nicht anders als einen beschmutzen Teller…

Mein Hauptthema dahinter waren jedoch meine Scham und mein Kleinheitsgefühl. Mich bloß nicht zeigen müssen, immer schön verdecken und verstecken.

Diese Themen lösten sich nach und nach und meine Haut wurde entsprechend besser. Darmreinigungen und Nahrungsumstellungen unterstützen zusätzlich und dennoch tauchten immer mal wieder Pickel auf. Besonders dann, wenn ich Tee mit Ingwer trank. Ließ ich ihn weg, verschwanden die Pickel wieder.

Ich fand es schon eigenartig, auf ein Mittel der Natur so zu reagieren und dann kam mir die Idee, dass vielleicht genau das mein Heilmittel sein könnte. Dass es so wirkte wie die Erstverschlimmerung in der Homöopathie. Ich trank vermehrt Ingwer Tee und ließ die Pickel kommen und verdeckte sie nur ein kleines bisschen wenn ich ausging. Und fühlte mich trotzdem nicht kleiner als sonst. Und tatsächlich klang das Streuselkuchensyndrom schon nach zwei Tagen ab und es kamen keine neuen Beulen nach.

Jupiiiiiiiii. Pickelfrei mit fast 50 😉

 

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Keine Zeit

                                             „Ich brauche den Druck” 

Eins meiner alten Lebensmottos. Mit Druck funktioniere ich besser, das glaubte ich viele Jahre lang.

Natürlich musste das Leben mir beweisen, dass ich mit meiner Annahme Recht hatte.

Denn wie Jesus schon sagte: “Nach deinem Glauben geschehe Dir”.

So erledigte ich in der Firma mehr Aufgaben, wenn es Termindruck gab. Ich schaffte daheim mehr an Hausfrauenjobs, wenn es zeitlichen Druck gab. Auch unter Druck Entscheidungen zu treffen erschien mir leichter.Selbst die Haare lagen besser, wenn ich mich im Stress für eine Party fertig machen musste 

Kennst Du das auch? Diesen im Grunde selbst-erzeugten Druck?

Bei mir steckten folgende Denkmuster dahinter:

Ich brauche den Druck.
Es gibt nie genug Zeit.
Ich habe keine Zeit.

Das Zeitthema konnte ich durch meine Burnout-Phase als erstes wandeln. Ich habe mir den Gedanken geschenkt: „Ich habe alle Zeit der Welt“. Auch, wenn ich mir das anfangs nicht 100% geglaubt habe, tat allein das Denken schon gut. Der Gedanke ließ meinen Körper entspannen, sich weit anfühlen. Das ist der Beweis, dass dieser Gedanke der Wahrheit entspricht. Mit der Zeit hat sich mein Zeitthema wie von Zauberhand gewandelt, so konnte ich es immer mehr glauben und damit immer mehr Zeit in meinem Leben erzeugen.

Heute erlebe ich keinen Mangel an Zeit mehr, ich würde es eher so beschreiben, dass ich oft „zeitlos“ lebe. Und das fühlt sich wunderbar frei an.

Den „Ich brauche..“ Satz habe ich später entlarvt. Brauchen begrenzt. Brauchen macht abhängig. Wenn ich meine etwas zu brauchen, erzeuge ich damit Mangel, denn ich gehe davon aus, dass etwas nicht da ist, sonst würde ich es ja nicht brauchen. Und damit bestellte ich mir in meinem Fall „Druck“.

Ich erinnere mich an meine Druck-Themen beim Treffen mit einer langjährigen Freundin. Seit ich sie kenne, steht sie permanent unter Druck. Alles, was um sie herum passiert verhindert, dass sie zur Ruhe kommt.
Sie versucht, die Situationen im Außen zu verändern, was sie sehr anstrengt. Die Situationen, von denen sie mir heute erzählt, sind andere als ihre damaligen Probleme. Dennoch ist ihr Gefühl, ständig angespannt und unter Druck zu stehen, unverändert. Dazu gekommen sind chronische Schmerzen ihres Körpers. Sie fragt nach Rat. Ich kann ihr nichts anderes sagen als vor Jahren. Erlöse deinen inneren Druck. Nimm dir Zeit für Dich, geh in die Stille, fühle deinen Druck und deine Anspannung. Spüre Deinen Widerstand und nimm ihn an. Komm deinen Gedanken auf die Schliche. Überprüfe alte Denkmuster und erlöse sie.
Oder aber gehe direkt über deine Gedanken hinaus. Allein schon in die Absicht zu gehen aktiviert neue Energien.
Du darfst jederzeit um höhere Unterstützung bitten.
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Ich weiß nicht wirklich, wo sie steht. Ist sie jetzt an einem Wendepunkt angelangt? Vielleicht möchte sie noch andere Erfahrungen machen?
Wenn sie sich in diesem Leben nicht erkennt, dann vielleicht im nächsten.

Denn Zeit ist unbegrenzt.

Von ?
Deine Andrea

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