Abschied von meinem Tier

Meine Aufschreibungen zu den letzten Tagen mit meinem Kater Raki sind in mehreren Etappen entstanden. Ich war mir bis gerade nicht sicher, ob ich diese überhaupt veröffentlichen möchte. Doch, ich möchte es. Mir selbst hat das Schreiben viel gebracht. Dabei kamen noch neue Gefühle und Gedanken hoch. Und damit auch weitere Erkenntnisse.

Mir geht es heute gut. Ich konnte mit gutem Gefühl meine Wohnung saugen. Vor ein paar Tagen wollte ich die letzten Katzenhaare auf meinem Teppich noch behalten…

Trotzdem es noch komisch ist, dass Raki mich nicht mehr von meinem Auto abholt und ich noch automatisch Ausschau halte.

Abschied

Nachdem ich mich nach seinem körperlichen Abbau innerlich bereits von Raki verabschiedet hatte, begann er wieder zu fressen. Ich freute mich. Natürlich. Wollte ihn doch gerne noch länger an meiner Seite haben. Er gehörte seit 15 Jahren zu mir, hatte vieles mit mir durchgestanden. Er hatte mein Herz berührt, mir geholfen, es Stück für Stück zu weiten. Wenn ich ihm in die Augen sah, empfand ich grenzenlose Liebe. Und in diesem Blickkontakt begann er dann ganz laut zu schnurren.

Raki war das erste Tier, mit dem ich auf Seelenebene kommunizieren konnte. Ich bekam auf jede Frage eine Antwort. Auch mit anderen Tieren und mit meinem Pferd Faith war dies möglich.

In der jetzigen Situation habe ich es leider nicht mehr hinbekommen. Ich hatte es einige Male versucht, zum Beispiel bevor ich mich entschloss mit ihm zum Tierarzt zu gehen. Jedoch konnte ich nicht unterscheiden, woher die Antworten kamen. Ich schätze, sie kamen nur aus meinem Kopf, weil wir beide zu verstrickt miteinander waren. Deshalb habe ich es sein gelassen.

„Zufällig“ fiel der Begriff der Tierkommunikation in dieser Zeit an einigen Ecken und ich stieß auf ein Buch, dessen Cover mit türkis-grünen Katzenaugen mich direkt ansprach. Der Titel ist „Türen in eine Anders-Welt – Das Tor zur Seele der Tiere“ von Regina Klara Herwig. Ich las dieses Buch und versuchte erneut mich mit Raki zu verbinden. Und es funktionierte wieder! Zweifellos kamen seine Antworten nicht aus meinem Kopf. Und was er mir zu sagen hatte, berührte mich zutiefst.

Denn genau das war der Grund, warum er noch nicht gehen konnte. Ich sollte mir dieser Fähigkeit wieder bewusst werden. Leider sagte er mir auch, dass dies das Ende seines Dienens für mich sei. Und dass ich ihn gehen lassen soll.

Danach war er noch ein paar Tage nah bei mir, das Fressen stellte er wieder ein. Und dann ging er raus, blieb auf der Fußmatte sitzen, ich wollte ihn nochmal streicheln aber er ging ohne sich umzudrehen. Ich habe gespürt, dass dies sein letzter Gang ist. In dem Moment war es in Ordnung für mich.

Er kam nicht mehr zurück. Ich ging noch einmal in den Seelenkontakt und er sagte mir, dass ich ihn nicht suchen soll. Er sagte, zur richtigen Zeit würde ich ihn finden. Er war wann dann zwei Tage weg und ich konnte mich an die Absprache halten. Bis ich plötzlich wie automatisiert am Morgen eine Nachbarin fragte, ob sie ihn vielleicht gesehen hätte. Ich hätte mich in den Arsch beißen können. So bescheuert. Ich sagte direkt, sie soll meine Frage vergessen und auch nicht nach ihm Ausschau halten. Sie hat den Garten zwei Häuser weiter und gewöhnlich hielt Raki sich in diesem Garten nicht auf. Abends klingelte nun genau diese Nachbarin bei mir. Sie sagte, dass eine Katze in schlechtem Zustand hinter ihrem Teich läge und fragte ob ich gucken wollte, ob das mein Kater sei. Ich wusste, dass er es ist und wollte eigentlich auch nicht mitgehen. Ich tat es trotzdem. Und das ist es, was ich bereue. Für mich das Schlimmste an der ganzen Geschichte.

Warum bin ich bloß dorthin gegangen? Ich hatte es ihm doch versprochen. Es tut mir so leid. Mehr für ihn als für mich. Er wollte nicht, dass ich ihn in diesem Zustand sehe.

Als wir an die Stelle kamen lag er dort nicht mehr. Er lag ein paar Meter weiter im nächsten Garten hinter einem Tor. Auf ihm saßen schon Fliegen, er guckte in die mir entgegengesetzte Richtung und drehte sich auch nicht zu mir um. Einen Moment lang war ich unschlüssig, aber eher weil ich dachte, was die Frau wohl von mir denken könnte, wenn ich ihn einfach sich selbst überlasse. Ich konnte dann aber doch seinen Willen, frei draußen sterben zu dürfen, akzeptieren und das auch der Nachbarin klar rüberbringen.

Dieser Abend auf meinem Balkon, nur ein paar Meter von meinem sterbenden Kater entfernt, war trotz allem eine Herausforderung für mich.

Am nächsten Morgen gingen meine Mutter und ich zu der Stelle. Ich hoffte, dass er dort läge und inzwischen sterben konnte. Mein Wunsch war, seinen Körper aufzunehmen und in unserem Garten zu begraben. Ich hatte bereits eine schöne Stelle ausgesucht und das Loch gebuddelt.

Was soll ich sagen, wir haben seinen Körper nicht gefunden. Haben jeden Garten hier durchforstet, unter jedem Busch geguckt. An zwei Tagen. Habe ihn im stillen Kontakt nach der Stelle gefragt und keine Antwort darauf bekommen.

Später bin ich dann noch alleine in den Wald hinter den Gärten gegangen. Und dort hat es dann klick gemacht und ich habe aufgehört zu suchen. Dort gibt es viele schöne Plätze und ich glaubte, dass er dort liegt. Und dass er nicht gefunden werden wollte, denn er hatte sich ja bewusst eine versteckte Stelle ausgesucht und keine der Stellen, an denen er sonst gerne gelegen hat.

Nach dem Wald konnte ich erst richtig in die Trauer gehen. Ich weinte und weinte und war einfach nur traurig. Es war reines Fühlen ohne Denken, ohne Zweifel, ohne Reue, ohne Leid. Am nächsten Tag fühlte ich mich leichter. Bis ich eine Nachricht einer Freundin erhielt.

Ich kann den Schock in diesem Moment nicht in Worte fassen.

Es war ein Aufruf über Facebook mit zwei Fotos von Raki als „Fundkatze“. Jemand hatte ihn gefunden und zum Tierarzt gebracht, dort sind die Fotos entstanden. Wieder in einem Tierarztkäfig.

Ich habe mich gefühlt wie in einem schlechten Film. Und dann die Telefonnummer gewählt. Man sagte mir, eine Praktikantin der Tierarztpraxis habe ihn kurz vor dem Wald unter einem Busch in einem Garten entdeckt. Ihr war bewusst, dass er sich dort zum Sterben abgelegt hatte, konnte ihn aber nicht dort liegen lassen, weil sie wusste dass Hundebesuch anstand. Von zwei Hunden, die keine Katzenfreunde waren.

Der Tierarzt hat ihn eingeschläfert. Ich konnte ihn abholen und dann doch in unserem Garten beerdigen.

Wenn ich anfange zu denken, wird es doof.

Warum ist das passiert? Warum lief es nicht nach seinem Willen, natürlich zu sterben? War es doch zu schlimm für ihn, hatte er sich anders entschieden? War es dann doch eine Erlösung? Und natürlich wieder die Frage, was habe ich falsch gemacht, was habe wieder einmal nicht gesehen?

Ich konnte nach dem Erkennen diese leid bringende Art des Denkens lassen. Diese Fragen nach dem „Warum“. Was bringt sie uns wirklich? Was bringt sie uns außer dem Widerstand, der es schwer macht? Dem Widerstand, dass etwas hätte anders sein sollte als es ist.

Es kam trotz allem so wie Raki es mir gesagt hatte. Zur rechten Zeit sollte ich ihn finden. So war es. Und ehrlich gesagt war ich erleichtert, dass sein Körper noch so schön aussah. Und dass er nicht von Maden zerfressen wurde.

Abends im Bett, nach der Beerdigung, überwog dann das Gefühl der Dankbarkeit.

Ich danke für diese wundervolle Zeit mit diesem wundervollen Tier. Ich danke für seine Liebe, für sein Vertrauen und für seine Weisheit. Er hat immer zu mir gestanden. Selbst als er als Freigänger ein ganzes Jahr lang nicht mehr raus konnte, hat er das anstandslos akzeptiert. Er hat mir ebenso wie mein Pferd Krankheiten abgenommen. Und er diente als Spiegel und auch als Vorbild.

Eine Bereicherung für mein Leben.

Danke Raki, mein geliebter Schatz

 

 

 

 

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Kannst Du Weggefährten loslassen?

Dieser Juli hat es in sich!  

In einer Monatsbotschaft heißt es, die momentane Zeit sei besonders energiegeladen. Und dass dieser Juli konsequent sei. Egal, ob Du an solche Botschaften glaubst oder nicht, vielleicht hast Du momentan auch das Gefühl, dass sich in Dir und um Dich herum eine ganze Menge bewegt?

Themen, die wir noch nicht bis in die Tiefe gelöst haben, „werden uns wieder vorgesetzt“. Vielleicht zeigen sie sich als Konflikte im Beruf oder in einer zwischenmenschlichen Beziehung? Oder es zeigen sich Gesundheitsthemen und andere Rückschläge, die uns auffordern, hinzuschauen und neu zu entscheiden. Etwas, was jahrelang funktioniert hat, funktioniert nicht mehr. Etwas, was Freude gemacht hat, macht keine Freude mehr. Auch die Weggefährten können in Frage gestellt werden. Wer darf weiter mit uns gehen, wer kann neu hinzukommen?

Bei mir scheint es so, als sei mein Weggefährte, mein Kater Raki, auf dem Weg von mir zu gehen.

Raki wird immer dünner. Man sieht schon die Knochen, er wirkt völlig eingefallen. Und eigentlich ist er ja mein “Möppelchen”. Eher übergewichtig mit regem Interesse an Leckereien. Seit einer Vergiftung vor einigen Monaten frisst er wenig und nimmt rapide ab. Anfangs schiebe ich es noch auf den veränderten Lebensumstand zurück als Freigänger. Daher zählen auch Mäuse als Zusatznahrung.

Als ich bemerke, dass er kaum noch trinkt, mache ich mir zunehmend Gedanken. Ich folge dem Rat einer Freundin und gehe mit Raki zum Tierarzt.

Ein ätzender Tag.

Die Tierärztin möchte ihn für gründliche Untersuchung einen Tag in der Praxis behalten und ich stimme zu. Leider ist sie am Abend, als ich Raki abhole, nicht wirklich schlauer. Sie erwähnt einige mögliche Diagnosen. Die einzige, mit deren Wortlaut ich überhaupt etwas anfangen kann, ist Leukämie. Ich komme mit einem verstörten Raki nachhause und fühle mich nicht besser als er. Hauptsächlich kann ich Wut in mir spüren. Aber auf wen? Auf die Tierärztin, die nur ihren Job gemacht hat? Ich merke, wie ich einen Schuldigen suche. Vielleicht sind das die Nachwirkungen vom Antibiotikum, die ich ihm im vergangenen Jahr gegen meinen und gegen seinen Willen in einer anstrengen Prozedur eingeflößt habe? Ich selbst nehme solche Medikamente nicht, aber meinem Kater mute ich es zu! Weil ich mich in meiner Sorge und Angst um Raki habe beeinflussen lassen.

Und auch heute wurde ihm ein Aufpäppelmittel ins Maul gespritzt, wobei er sich laut Ärztin mit aller Kraft gewehrt hat. Man hat ihn geröntgt und ihm wurde ein Tropf gelegt. Verständnislos leckt er sich das kahlrasierte Beinchen. Es tut mir leid, dass er solche Strapazen über sich hat ergehen lassen müssen. Und dass ich das alles habe machen lassen, obwohl ich eigentlich nur eine einfache Diagnose abfragen wollte.

Die Wut gilt mir alleine.

Das Gute: So deutlich konnte ich Wut bisher noch nie in mir fühlen. Ich kann sie ganz deutlich im Bauch wahrnehmen und da sein lassen, indem ich bewusst dorthin atme. Nach ein paar Minuten verändert sich das Gefühl schon. Und auch mein schlechtes Gewissen lässt nach.

Ich kann die Entscheidung treffen, am nächsten Tag nicht zum weiteren Aufpäppelversuch in die Praxis zu fahren. Und ich warte die zusätzlichen Blutergebnisse am übernächsten Tag ab, die vom Labor kommen.

Raki frisst und trinkt nun gar nichts mehr. Trotzdem scheint er am nächsten Tag wieder gut drauf und ist tagsüber draußen, nachts neben mir. Die Blutergebnisse ergeben für mich nichts. Die Ärztin empfiehlt, weitere Blutuntersuchungen auf bestimmte Viren zu machen.

Nein.

Ich lasse ihn.

Er war 15 Jahre an meiner Seite und ich habe so viel durch ihn gelernt. Und wenn sein Weg mit mir nun zu Ende scheint, dann kann ich es annehmen. Ich kann ihn nun gehen lassen.
Auch meine Freundin und ihr kleiner Sohn verabschieden sich von ihm. Ich verbringe viel Zeit mit ihm, spreche mit ihm, danke ihm, schau ihn an. Genieße die Momente mit meinem schönsten, liebsten und entspanntesten Kater der Welt.

Und dann höre ich nachts gewohnte Geräusche. Raki trinkt wieder aus der Schüssel mit dem Steinewasser. Und ein paar Tage später nimmt er die ersten Happen von seinem Futter. Er scheint sich entschieden zu haben zu bleiben. Vielleicht war es das, dass ich ihn losgelassen habe? Ich freue mich über diese Wandlung, ja. Dennoch ist es nicht so, dass ich mich dadurch erleichtert fühle, auch wenn dies verrückt klingen mag.

Es ist genau gut so, wie es ist. Das bedeutet für mich Annahme. Und wieder einmal danke ich dem Leben für diese Lernaufgaben. Wenn wir nur unsere Sichtweise verändern, dürfen wir uns von der machtvollen und wohlwollenden Energie der Transformationszeit unterstützen lassen.

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Gefühlschaos Teil 2

Es geht weiter mit uns. Zweifellos. Erleichtert. Dankbar.
 
Die Sache mit dem Gefühlschaos zeigt sich als Prozess, der ein paar Tage dauert. Es ist ungewohnt für mich, über einen längeren Zeitraum nicht “gut drauf” zu sein. Ich übe mich darin, mich auch in dieser Laune meinen Freunden zuzumuten. Es klappt. Schwieriger ist es, mich mir selbst  zuzumuten. Mir wirklich die Erlaubnis zu geben, das                “schlecht-Drauf-Sein” da sein zu lassen, auch wenn es länger als einen Tag braucht. Ich erkenne den Anteil in mir, der dadurch direkt meinen Selbstwert mindert, wenn ich “nichts” tue. Und trotzdem geht es jetzt für mich darum, den Zustand nicht verändern zu müssen.
 
Eine wichtige Erkenntnis zu meinem Gefühlschaos: Ich bin total verkopft. Nicht, dass mir das generell neu wäre. Doch in diesem Ausmaß ist es das schon. Ehrlich gesagt habe ich mich gewundert, dass ich verkopfte Beziehungspartner anziehe. Sehe mich selbst doch viel mehr als Gefühlsmensch und überwiegend intuitiv handelnd.
Die Erkenntnis beginnt zu reifen, als ich versuche eine Gefühlsentscheidung bezüglich meines nicht mehr fressenden Katers zu treffen. Da geht gar nichts. Mein Kopf hat die Macht. Danach höre ich “zufällig” noch in einen Vortrag über Intuition von Pascal Voggenhuber. Schon tausendmal gehört, nichts wirklich neues. Aber plötzlich macht es klick. So richtig klick. Bäng von Innen. Ich liebe diese Art von Erkenntnissen. Und ich spüre direkt, dass sich damit etwas verändert hat.
 
Tatsächlich scheinen sich auch damit all meine Zweifel und dieses komische Gefühl an unserer Beziehung aufgelöst zu haben. Mir wird bewusst, dass es sich in meinen Gefühlen in Beziehungen zum großen Teil um Emotionen handelt. Das bedeutet für mich um Gefühle, die durch einen Gedanken bewegt werden. Für mich anscheinend leicht zu verwechseln mit den wahren Gefühlen, die tief aus dem Herzen, tief aus dem inneren Wissen stammen. 
 
Interessanterweise erlebe ich diese Täuschungen nur in Angelegenheiten, die mich persönlich betreffen. Arbeite ich mit Menschen,  gelingt mir dies mittlerweile ohne zu denken. Ich kann dann aus einer anderen Quelle empfangen und genau das richtige tun. Ohne Zweifel. Was mir zeigt, dass alles in mir da ist. Und dass es gilt, unterscheiden zu lernen. Zwischen Herz und Verstand.
 
Passend zum Thema  von einem mir unbekannten Verfasser:
 
Gespräch zwischen Kopf und Herz
 
“Weißt du, was ich an dir nicht verstehe?”, wandte sich der Kopf fragend ans Herz. Das Herz blickte liebevoll auf und erwiderte: “Das ist dein Problem lieber Kopf, du versuchst immer alles zu verstehen.”
 
Der Kopf ließ sich nicht beirren und setzte fort: “Du hast in der Vergangenheit schon so viel Schmerz erlebt und trotzdem hörst du niemals auf zu lieben. Es wird auch in Zukunft Menschen geben die dich verletzen und enttäuschen, macht dir das überhaupt keine Angst?”
 
Das Herz antwortete sanft aber bestimmt: “Ich lebe niemals in der Vergangenheit oder einer möglichen Zukunft, so wie du es tust. Ich schlage jetzt. Das was gestern war, kümmert mich nicht mehr. Über das Morgen sorge ich mich nicht, denn die Gegenwart ist der Ort, an dem ich zu Hause bin.”
 
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